MIT REUNIONS VON BANDS IST DAS JA IMMER SO EINE SACHE:Die einen, früher mal erfolgreiche Vorreiter ihres Genres, tun sich Jahre später
als Zweckgemeinschaft ein weiteres Mal zusammen, weil am Ende vom Geld
leider noch so viel Leben übrig ist. Die anderen wittern eine späte Chance, mit
dem Revival eines schlecht gelittenen Trends sowas wie eine zweite Hype-
Chance zu erhaschen, wandeln fortan blutleer wie eine George Romero
Zombie-Supergroup über die Bühnen halbvoller Clubs, nehmen nochmal
blutleerere neue Songs auf und wären besser zwischen den Würmern in der
kalten Erde andächtig liegengeblieben.
Tja, und dann gibt es eben jene, die einfach nur noch ein letztes Mal Bock
haben, mit alten Freunden von damals eine gute Zeit zu haben, komplett
unberechnet und unberechnend, einfach weil die gemeinsame Story nie sinnvoll
zu Ende erzählt wurde und man vor allen Dingen immer noch das hier hat:
Bock.
Bei FIRE IN THE ATTIC aus Long Island, ähhh Bonn, war das damals
der Antrieb - und gute 15 Jahre später tuckert dieser wundervolle Motor immer
noch irgendwo unter der Motorhaube aller Mitglieder des originalen Line-ups.
Und das, obwohl einige von ihnen seither musikalisch nicht untätig waren mit
grandiosen Folge-Bands wie KMPFSPRT oder als Redakteure relevanter
Szene-Zines.
Apropos, talking about Szene: Post Hardcore hat man jenen Stil seinerzeit
genannt, den FIRE IN THE ATTIC wie kaum eine andere Band aus
Deutschland so international wie genial zelebriert haben. Klar, das war
irgendwie auch Emo, aber das Quintett aus dem Rheinland hatte einfach immer
mehr Hardcore- und Punk-Drive und stand lieber breit grinsend mitten im
Gesicht der Zuschauer als weinerlich auf den eigenen Füßen rum. Auf eine
schnieke EP und vier tolle Longplayer haben es die Herren Ole Feltes (Voc),
Daniel Crebelli (Guit/Voc), Daniel Plotzki (Drums), Richard Meyer (Guit/Voc)
und Dennis Müller (Bass) Zeit ihres FITA-Lebens gebracht und arschcoole,
sehr gut gealterte Songs wie „Fake It Like You Mean It“, „Decision & Action“
oder „An Audience Of One“ beweisen bis heute, dass man sich mindestens
einen dicken goldenen Barhocker zwischen den Stühlen von Szenegrößen wie
Taking Back Sunday, Thrice oder The Used verdient hat. Absolut folgerichtig
sind diese Platten seinerzeit via Redfield Records sehr geschmackssicher
veröffentlicht worden.
Kein Wunder eigentlich auch, dass FIRE IN THE ATTIC mit so viel
Rückenwind und Eigenantrieb schon nach kurzer Zeit von kleinen AZ-Bühnen
auf die großen Stages rübergemosht sind und die ewig wackelnde Tolle des
Front-Duracell-Häschens Ole fortan u.a. auf der Taste Of Chaos Tour, als
Support von Combos wie Billy Talent, Coheed And Cambria, Boysetsfire, Hot
Water Music oder Alexisonfire und auf den großen Open Airs der Republik zu
sehen war. Nach einem Sängerwechsel zum britischen Shouter Thomas Prescott
haben FIRE IN THE ATTIC um 2010 ihre Band in Carbonit eingefroren.
Bis ziemlich genau heute, hier und jetzt.
„Ey, lass noch einmal zusammen durch’n Tisch treten!“, „Once more with
feeling!“, „Jungs, wisst Ihr noch damals?“… Solche Sätze dürften in etwa
gefallen sein am Telefon, als sich FIRE IN THE ATTIC im oben
angesprochenen Original Line-up ganz nostalgisch und mit dem gleichen
breiten Grinsen von damals in diesem noch jungen Jahr wieder
zusammengerauft haben. Einmal noch wie die Goonies losziehen und Astoria
retten. Nochmal kurz daran erinnern, dass man die besten Dinge erst dann
vermisst, wenn sie nicht mehr da sind und dass FIRE IN THE ATTIC immer
noch wohlig nachhallen:
„One More Chance To Dance“ eben.Als dickes Jubiläum wird Ende 2026 noch einmal gemeinsam Krach gemacht
like it’s early 2K! Kein lauwarmer Aufguss einer Tütensuppe, keine Imitation
eines damals noch gelebten Gefühls. Im Gegenteil: Ein dickes positives,
ballastfreies Jubiläum, Leute! Wer damals nicht dabei war, sollte seine Chance
nicht verpasssen. Alle anderen zelten hoffentlich eh schon mit Freudentränen-
gefüllten Taschentüchern vor den Ticketshops im Netz -
„barely asleep or still dreaming“!
(INGO DONOT - April 2026)